Das Weihnachtsgeschäft wird KI-getrieben

Höchste Zeit, Produktdaten für Rufus & Co. fit zu machen

Während OpenAIs ChatGPT mit Instant Checkout die Customer Journey von Anfang bis Ende übernimmt (wir berichteten), meldet Amazon im dritten Quartal deutliche Fortschritte im Bereich KI. So auch beim Shopping-Assistenten Rufus. Laut Amazons Quartalsbericht haben bereits rund 250 Millionen Kund:innen Rufus in diesem Jahr genutzt. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit eines Kaufabschlusses bei Rufus-Nutzer:innen um 60 Prozent höher als bei denen, die Rufus nicht verwenden.

KI-Suche prägt das Weihnachtsgeschäft

Wie belastbar die Amazon-eigenen Zahlen sind, bleibt natürlich (wie immer) die Frage. Doch egal, wie genau die Zahlen letztendlich sind: Künstliche Intelligenz verändert die Produktsuche. Aus der klassischen Keyword-Suche wird mehr und mehr ein Dialog in natürlicher Sprache. Dabei zählt nicht mehr nur das Was, sondern auch das Wie und Warum.

Immer mehr Käufer:innen lassen sich ihre Geschenkideen von KI-Systemen wie ChatGPT vorschlagen. Sie suchen, vergleichen und entscheiden direkt im Chat. Das wirkt sich auf die anstehende Weihnachtssaison aus. Adobes 2025 US Holiday Shopping Forecast erwartet für den US-Markt, dass der Traffic von großen Sprachmodellen (LLMs) zu Retail-Seiten in dieser Saison um 515 bis 520 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigt. Für Thanksgiving, der Haupteinkaufszeit für US-Shopper, wird sogar ein Zuwachs von bis zu 730 Prozent prognostiziert.

Auf dem Bild springt ein bläulicher KI-Roboter aus einem roten Weihnachtsgeschenk heraus. Das Geschenk steh in einem weihnachtlich dekorierten Wohnzimmer. Im Hintergrund sind ein Weihnachtsbaum, ein Kamin und Kerzenlichter zu sehen.
Frohe W[AI]hnachten. Bild erstellt mit Nano Banana

Für Online-Händler bedeutet das, dass sie ihre Produktdaten so aufbereiten müssen, dass deren Bedeutung, Alleinstellungsmerkmale und Kontext erkennbar wird, damit sowohl KI-Systeme wie ChatGPT als auch Shopping-Assistenten wie Rufus ihre Produkte finden, verstehen und als relevant einstufen können. Gut strukturierte, kontextbasierte und vollständige Produktdaten sind ein wichtiger Wettbewerbsfaktor im KI-getriebenen Weihnachtgeschäft.

Was Rufus inzwischen kann

Amazon hat Rufus in den letzten Monaten deutlich weiterentwickelt. Der KI-Assistent zerlegt komplexe Anfragen in Einzelteile, vergleicht Optionen, fragt nach und liefert dann entscheidungsreife Antworten statt reiner Trefferlisten. Er merkt sich Vorlieben, Kaufanlässe und -muster und nutzt diese für hochpersonalisierte Vorschläge. Neben Amazon-Daten bezieht Rufus zunehmend externe Quellen ein, etwa aktuelle Preise, Verfügbarkeit und Rezensionen auf anderen Internetseiten und gibt darauf basierend begründete Kaufempfehlungen ab.

In der Weihnachtssaison kann Rufus so seinen Nutzer:innen helfen, die perfekten Weihnachtsgeschenke für Freunde und Familie zu finden: „Ich suche einen Schal für meine Freundin zu Weihnachten. Er sollte kuschelweich sein und groß genug, um sie warmzuhalten, wenn sie ihren Mantel wieder mal im Restaurant vergessen hat. Sie liebt die Farben Blau und Pink.“

Derartige Anfragen stellen neue Anforderungen an Produkt-Listings, die gefunden werden wollen. KI-fähige Produktseiten müssen für diese Art der natürlichen Sprache saubere, präzise, vollständige, und alltagssprachlich formulierte Attribute enthalten:

  • Material: Kaschmir, Merinowolle, Fleece
  • Farbe: himmelblau, pink, zweifarbig
  • Größe: 130 x 100 cm, oversized, fällt groß aus
  • Eigenschaften: extra weich, wärmend, kuschelig
  • Einsatzzweck: Alltag, Feste, Winter, kalte Jahreszeit
  • Anwendungsfälle / Nutzen: für Spaziergänge und Aktivitäten während der kalten Jahreszeit
  • Kontraindikationen: nicht für Trockner geeignet
  • Anlass: Geschenk, Weihnachten

Nur wenn diese Informationen – möglichst vollständig – hinterlegt sind, kann Rufus die Anfrage richtig verknüpfen und das Produkt als passenden Vorschlag präsentieren.

Testen, prüfen, testen…

Konkrete Zahlen oder Nutzerstatistiken liefert uns Amazon zu Rufus leider aktuell noch nicht. Wir als Seller können daher nur in Selbstversuchen das Rufus-Verhalten testen und prüfen, ob unsere Listings die relevanten Inhalte in KI-freundlicher Sprache enthalten. Hilfreich ist, sich dabei folgende Fragen zu stellen: Welche Fragen würde ich als Nutzer:in stellen, die zu meinem Produkt führen? Sind Nutzen und Mehrwert meines Produkts im Listing erkennbar? Werden meine Produktbeschreibungen auch von einer KI verstanden? Wie erscheinen meine Listings in den KI-Chats? Werden sie im richtigen Kontext ausgespielt? Und falls nicht, was kann ich verbessern?

Denn Rufus‘ Suchergebnisse sind nur so gut wie die Daten, die ihm zur Verfügung stehen. Und diese zu optimieren, bleibt unsere Aufgabe als Seller.