Amazon Prime Day 2025

Ein Rückblick

Eigentlich wollten wir nicht unbedingt über den Prime Day 2025 berichten. Denn Amazons Fazit klingt Jahr für Jahr ziemlich vertraut, wobei nicht an Superlativen und Hinweisen auf neue Rekorde gespart wird.

Auch 2025 macht Amazon da keine Ausnahme und krönt den diesjährigen Prime Day zum „biggest Prime Day event ever“ – zumindest bis zum nächsten Jahr. Schaut man allein auf die Dauer des Events, trifft das sogar zu. Zum ersten Mal wurde das alljährliche Sales-Event von zwei auf vier Tage ausgeweitet: die Schnäppchenjagd lief vom 8. bis 11. Juli. Unterm Strich zeigen sich nicht nur Amazon, sondern auch viele Seller mit den Umsätzen zufrieden, die ihnen der Sales-Marathon gebracht hat – besonders vor dem Hintergrund aktueller globaler Krisen, Zollstreits und Co.

Während des verlängerten Sales-Events gab es allerdings Downs, Ups und interessante Dynamiken, die zu wogenschlagenden Medienberichten führten. Das alles zusammen mit einem veränderten Kaufverhalten, KI-getriebenen Werbestrategien und den Auswirkungen des Amazon Prime Days auf die gesamte E-Commerce-Branche. Deshalb gibt’s ihn jetzt doch: einen kurzen Prime-Day-Rückblick.

Rekorde, Rekorde…?

Laut Adobe belief sich der Gesamtumsatz auf dem E-Commerce-Markt (also nicht nur auf Amazon) in den USA zwischen dem 8. und 11. Juli auf rund 24,1 Milliarden US-Dollar. Ein Wachstum von mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr – wobei zu beachten ist, dass der diesjährige Prime Day doppelt so lang war, sodass Vergleiche mit vergangenen Jahren mit Vorsicht zu genießen sind. Der neue Rekordwert übersteigt allerdings auch die Ergebnisse des Black Friday 2024, der einen Umsatz von rund 11 Milliarden US-Dollar verzeichnete. Wir erinnern uns: Dieser hatte sich ebenfalls über eine neue Rekorddauer von 12 Tagen gestreckt.

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Was war da los?

Amazon spricht mal wieder von einem beispiellosen Erfolg und betont die starke Performance in mehr als 35 Kategorien. Und darf tatsächlich aufatmen. Denn erste Zahlen von Momentum Commerce hatten zunächst für Wirbel gesorgt: Am ersten Sales-Tag lag der Umsatz demnach 41 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Amazon wies die Analyse von Momentum Commerce als „höchst ungenau“ zurück, lieferte jedoch keine eigenen Kennzahlen als Gegenargumente. Dieser Mangel an Transparenz befeuerte die Spekulationen; die Amazon-Aktie verlor zwischenzeitlich vier Prozent.

Am letzten Tag des Shopping-Events zog das Geschäft dann aber doch noch deutlich an. Möglicherweise warteten viele Kund:innen auf die allerbesten Last-Minute-Deals. Es könnte aber auch darauf zurückzuführen sein, dass Käufer:innen ihre Einkäufe insgesamt gezielter planten und überlegter handelten. Viele nutzten Preisvergleichsportale oder checkten Parallelangebote bei Walmart, Target oder Best Buy (bzw. Lidl, Netto, Aldi und Otto in Deutschland), die auf Amazons Rabattaktion mit eigenen Sales-Events reagierten. Denn der Prime Day ist zwar offiziell ein Amazon-Event, hat sich aber inzwischen zu einem branchenweiten Phänomen entwickelt, wie die Datenerhebung von Adobe bestätigt.

Bei meinen eigenen Kunden stelle ich, je nach Kategorie und Schwerpunktland, starke Unterschiede fest: von +259 % bis -48 % war alles dabei, wobei wie immer zu betonen ist, dass (niedrige) VK-Preise und (verfügbare) Lagerbestände an Sales-Events die allesentscheidende Rolle spielen. Out-of-stock gehen darf man nicht, wenn man an Prime Day mitspielen will.

Der Einfluss von KI und Influencer-Kampagnen

Zudem spielten in diesem Jahr KI-gestützte Kanäle, personalisierte Empfehlungen und Influencer-Kampagnen eine größere Rolle denn je. Adobe zufolge blieb Paid Search zwar nach wie vor der wichtigste Treiber, KI-gestützter Traffic wuchs jedoch um 3.300 % gegenüber dem Vorjahr. Influencer-Kampagnen erzielten demnach Konversionsraten, die zehnmal höher lagen als reguläre Social Media-Kampagnen. Einige Marken konnten durch clevere GEO-Optimierung, Influencer-Kampagnen und günstige PPCs deutlich an Sichtbarkeit gewinnen. Tinuiti bescheinigte insbesondere dem US-Markt eine hohe Werbeeffizienz. Amazon lockte seine Prime-Kund:innen zudem mit „Heutige[n] Angebots-Highlights“ und „Neuen Blitzangebote[n]“.

Was bleibt?

Der diesjährige Prime Day hatte es definitiv in sich. Und hinterlässt ein etwas diffuses Bild. Der verlängerte Aktionszeitraum macht Vergleiche zu den Vorjahren schwierig. Amazons Verzicht auf die Veröffentlichung konkreter Verkaufszahlen erschwert die Bewertung zusätzlich. Und auch bei meinen Kunden sehe ich ein sehr gemischtes Ergebnis. Aber wie immer gilt: „Nach dem Sale ist vor dem Sale“. Viele Händler richten daher ihren Blick schon auf die kommenden Quartale: der Prime Early Access Sale im Oktober und der diesjährige Black Friday Ende November / Anfang Dezember stehen schon in den Startlöchern.

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